Wenn du darüber nachdenkst, eine Familie zu gründen, tut dir deine Katze möglicherweise einen größeren Gefallen, als du denkst. Aber der Zeitpunkt ist entscheidend.

Dr. Katharina von Rohr ist Endokrinologin und Ernährungsmedizinerin und arbeitet an einer Klinik in Berlin. Für DUO ordnet sie medizinische Fragen rund um Hormone, Ernährung, Schwangerschaft und die Gesundheit im Alltag ein.
Hast du schon einmal von Toxoplasmose gehört? Die Infektion wird durch den Parasiten Toxoplasma gondii verursacht. Katzen können den Erreger in sich tragen und über ihren Kot ausscheiden. Schwangere werden häufig davor gewarnt – und das aus gutem Grund: Eine erstmalige Infektion während der Schwangerschaft kann in seltenen Fällen das ungeborene Kind beeinträchtigen.
Doch es gibt eine überraschende Wendung: Wenn du bereits vor der Schwangerschaft regelmäßig Kontakt zu Katzen hattest, könntest du dem Parasiten schon begegnet sein und Antikörper entwickelt haben, ohne es zu bemerken. Ob tatsächlich eine Immunität besteht, lässt sich jedoch nur durch eine Blutuntersuchung feststellen.
Katzenkontakt vor der Schwangerschaft kann bedeuten, dass dein Immunsystem den Erreger bereits kennt.
Viele Menschen entwickeln nach einer früheren Infektion Antikörper, ohne je Symptome bemerkt zu haben. Allein vom Zusammenleben oder Kuscheln mit einer Katze lässt sich der eigene Immunstatus allerdings nicht sicher ableiten.
Nicht jede Katze birgt dasselbe Risiko
Bei einer reinen Wohnungskatze, die ausschließlich handelsübliches Katzenfutter erhält, ist das Risiko einer Ausscheidung des Parasiten sehr gering. Katzen nehmen den Erreger vor allem beim Jagen und durch rohes Fleisch auf.
Bei Freigängern sieht es anders aus: Sie jagen, kommen mit möglicherweise belasteter Erde in Kontakt und können den Parasiten über ihren Kot ausscheiden. Hier ist konsequente Hygiene besonders wichtig. Während der Schwangerschaft sollte nach Möglichkeit eine andere Person die Reinigung des Katzenklos übernehmen.
Die Katze ist nicht die einzige mögliche Quelle
Wichtig ist außerdem: Katzen sind nicht die häufigste Ursache einer Toxoplasmoseinfektion beim Menschen. Ein relevantes Risiko geht auch von rohem oder nicht vollständig durchgegartem Fleisch sowie ungewaschenem Obst und Gemüse aus. Ein sehr selten gebratenes Steak kann somit ein größeres Risiko darstellen als die eigene Katze.
Das bedeutet selbstverständlich nicht, unvorsichtig zu werden. Grundlegende Hygiene bleibt wichtig: Wasche dir nach der Reinigung des Katzenklos und nach Gartenarbeit gründlich die Hände. Es gibt jedoch keinen Grund, ein geliebtes Tier vorschnell abzugeben – dieser Mythos hat bereits zu vielen unnötigen und schmerzhaften Abschieden geführt.
Genieße die Zeit mit deiner Katze und sprich bereits vor einer geplanten Schwangerschaft mit deiner Ärztin oder deinem Arzt über einen einfachen Bluttest zur Bestimmung deines Immunstatus. So weißt du, welche Vorsichtsmaßnahmen für dich persönlich sinnvoll sind.
